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EnergiemanagementEmpfohlen

§ 14a EnWG in der Praxis für Wallbox, Wärmepumpe und Speicher

Was § 14a EnWG für Wallbox, Wärmepumpe und Speicher bedeutet: Mindestleistung 4,2 kW, Module 1 bis 3 mit Rechenbeispiel, Steuerbox und Bestandsanlagen.

Autor
Tobias Dietrich, Elektromeister
Veröffentlicht
Aktualisiert
Lesezeit
10 Min.
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Seit dem 01.01.2024 muss der Netzbetreiber neue Wallboxen, Wärmepumpen, Klimageräte und Batteriespeicher mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung drosseln können. Im Gegenzug zahlen die Betreiber weniger Netzentgelt, und der Netzbetreiber darf den Anschluss solcher Geräte nicht mehr mit Verweis auf ein überlastetes Netz ablehnen oder verzögern. Das klingt nach Eingriff. Im Alltag ist es weniger dramatisch, als oft behauptet wird, aber auch komplexer, als es am Telefon beim Wallbox-Händler klingt.

Wir schließen regelmäßig Wallboxen, Wärmepumpen und Speicher an und hören dabei zwei Sichtweisen. Die einen fürchten: „Mein Auto wird abgeschaltet.“ Die anderen winken ab: „Das wird sowieso nie gesteuert.“ Beides führt zu schlecht vorbereiteten Anlagen. Dieser Beitrag erklärt, was technisch passiert, welche Module die Bundesnetzagentur vorgegeben hat, wie eine Installation nach § 14a aussieht und worauf es bei Bestandsanlagen ankommt. Grundlage sind die Festlegungen der Bundesnetzagentur BK6-22-300 (Steuerung) und BK8-22-010-A (Netzentgelte).


Welche Geräte unter § 14a fallen

Betroffen sind vier Gerätegruppen mit mehr als 4,2 kW Netzanschlussleistung, angeschlossen in der Niederspannung und in Betrieb gegangen ab dem 01.01.2024.

Gerät Schwelle Beispiel
Nicht öffentlicher Ladepunkt (Wallbox) über 4,2 kW jede Wallbox mit 11 oder 22 kW
Wärmepumpenheizung einschließlich Heizstab über 4,2 kW übliche Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus
Anlage zur Raumkühlung über 4,2 kW größere Split- oder Multisplit-Anlage
Stromspeicher, beim Laden aus dem Netz über 4,2 kW Heimspeicher mit entsprechender Ladeleistung

Bei Wärmepumpen und Klimageräten zählt die Summe: Stehen hinter einem Netzanschluss mehrere Anlagen derselben Gruppe, gelten sie zusammen als eine steuerbare Verbrauchseinrichtung, sobald ihre Summe 4,2 kW übersteigt. Bei Wallboxen und Speichern wird jedes Gerät für sich betrachtet. Eine Wallbox mit 3,7 kW fällt also nicht unter § 14a, auch wenn daneben ein Speicher hängt.

Nachtspeicherheizungen gehören nicht zu den neuen Gerätegruppen. Für bestehende Nachtspeicher mit reduziertem Netzentgelt gilt die bisherige Regelung weiter, bis die Vereinbarung endet oder die Heizung außer Betrieb geht.

Bestandsanlagen vor 2024

  • Anlagen mit einer alten § 14a-Vereinbarung (reduziertes Netzentgelt nach bisherigem Recht) behalten diese bis längstens 31.12.2028. Ab dem 01.01.2029 gelten für Wallboxen, Wärmepumpen, Klimageräte und Speicher die neuen Regeln.
  • Anlagen ohne alte Vereinbarung fallen nicht unter die neue Regel.
  • Beide Gruppen dürfen jederzeit freiwillig in die neue Regelung wechseln. Der Netzbetreiber kann den Wechsel nicht ablehnen, ein Zurück gibt es aber nicht.

Ob sich der Wechsel lohnt, hängt vom bisherigen Tarif ab. Das rechnen wir vorher mit dem Preisblatt des Netzbetreibers durch.


Wann und wie weit gedrosselt werden darf

Der Netzbetreiber darf nur eingreifen, wenn eine strom- oder spannungsbedingte Gefährdung oder Störung seines Netzes vorliegt, etwa eine drohende Überlastung eines Transformators. Er muss das über eine Netzzustandsermittlung feststellen, darf nur so weit und so lange dimmen wie nötig und muss alle Geräte im betroffenen Netzbereich gleich behandeln. Danach wird die Leistung schrittweise wieder freigegeben.

Für die Übergangszeit gibt es eine Ausnahme: Kann ein Netzbetreiber den Netzzustand noch nicht so ermitteln und erwartet er aus seinen Planungsdaten eine Überlastung, darf er bis längstens 31.12.2028 vorbeugend steuern. Das ist in einem Netzbereich auf höchstens 24 Monate und auf höchstens zwei Stunden am Tag begrenzt, die Mindestleistung gilt auch dann.

Abgeschaltet wird dabei nichts. Jedes Gerät behält eine garantierte Mindestleistung:

Fall Mindestleistung
einzeln angesteuertes Gerät 4,2 kW
Wärmepumpe oder Klimaanlage über 11 kW, einzeln angesteuert 40 % der Netzanschlussleistung
mehrere Geräte über ein Energiemanagementsystem 4,2 kW + (Anzahl der Geräte − 1) × Gleichzeitigkeitsfaktor × 4,2 kW

Den Gleichzeitigkeitsfaktor gibt die Bundesnetzagentur vor: 0,8 bei zwei Geräten, 0,75 bei drei, 0,7 bei vier, dann in Schritten von 0,05 weiter bis 0,45 ab neun Geräten.

Ein Rechenbeispiel für die Wallbox: Eine Stunde Dimmung von 11 kW auf 4,2 kW kostet 6,8 kWh Ladung. Bei einem Verbrauch von 18 kWh je 100 km sind das knapp 40 km Reichweite. In derselben Stunde lädt das Auto mit 4,2 kW trotzdem gut 20 km nach.

Wie das Signal ankommt

  • Der Messstellenbetreiber baut eine Steuerbox (Steuerungseinrichtung) ein, im Zählerschrank neben dem intelligenten Messsystem.
  • Die Steuerbox gibt das Signal als potenzialfreien Kontakt oder digital (zum Beispiel EEBUS) weiter.
  • Das Signal geht entweder direkt an die Wallbox oder Wärmepumpe oder an ein Energiemanagementsystem, das mehrere Geräte führt.
  • Der Betreiber muss dafür sorgen, dass das Gerät den Befehl unverzüglich umsetzt. Die fünf Minuten der Bundesnetzagentur gelten für den Netzbetreiber: So lange darf er nach der Netzzustandsermittlung höchstens brauchen, um die Dimmung auszulösen.

Wer die Steuerbox einbaut

Steuerbox und intelligentes Messsystem sind Sache des Messstellenbetreibers, in der Region meist Netze BW, MVV Netze oder die örtlichen Stadtwerke. Wir bauen den Zählerplatz so vor, dass beides Platz findet, nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers und VDE-AR-N 4100. Den Einbau selbst übernimmt der Messstellenbetreiber, den der Betreiber damit beauftragt. Die Wärmepumpe oder Wallbox muss auf diesen Termin nicht warten: Nach Auskunft der Bundesnetzagentur genügt bereits die Beauftragung des Messstellenbetreibers. Solange der Auftrag noch offen ist, liegt keine Verletzung der Pflicht zur Steuerbarkeit vor, und das reduzierte Netzentgelt gibt es trotzdem.

Die Kosten sind gedeckelt. Der grundzuständige Messstellenbetreiber darf für das intelligente Messsystem an einem Anschluss mit steuerbarer Verbrauchseinrichtung vom Anschlussnutzer höchstens 50 Euro brutto im Jahr verlangen, für die Steuerbox vom Anschlussnehmer ebenfalls höchstens 50 Euro brutto im Jahr (§ 30 Messstellenbetriebsgesetz).


Die drei Module

Die Module 1, 2 und 3 sind keine technischen Varianten der Steuerung. Sie legen fest, wie das Netzentgelt reduziert wird. Die Steuerung läuft in allen Modulen gleich. Gewählt wird bei der Anmeldung beim Netzbetreiber oder über den Stromlieferanten. Wer nichts wählt, bekommt Modul 1. Zwischen Modul 1 und 2 kann man wechseln, aber nicht rückwirkend.

Modul Mechanismus Voraussetzung
Modul 1, pauschal fester Betrag im Jahr, je nach Netzgebiet laut Bundesnetzagentur 110 bis 190 Euro (Stand 2023) keine, auch ohne eigenen Zähler
Modul 2, prozentual Arbeitspreis des Netzentgelts für das Gerät sinkt auf 40 % separater Zähler für das Gerät, dort kein Grundpreis
Modul 3, zeitvariabel seit 01.04.2025 zusätzlich zu Modul 1: drei Preisstufen (Hoch-, Standard- und Niedrigtarif) in festen Zeitfenstern intelligentes Messsystem

Rechenbeispiel mit den Netzentgelten der Netze BW 2026

Die Netze BW nennt für 2026 folgende Werte (brutto): Modul 1 bringt eine Gutschrift von 147,56 Euro im Jahr. Mit Modul 2 sinkt der Arbeitspreis für das Gerät von 9,01 auf 3,61 Cent je kWh, spart also 5,40 Cent je kWh. Gleichstand ist bei rund 2.700 kWh im Jahr, dazu kommen die Kosten für den zweiten Zähler.

  • Wärmepumpe mit 4.500 kWh im Jahr: Modul 2 spart rund 243 Euro, abzüglich Zählerkosten. Hier ist Modul 2 meist die bessere Wahl.
  • Wallbox mit 2.000 kWh Ladestrom im Jahr: Modul 2 spart rund 108 Euro. Hier ist Modul 1 besser und braucht keinen zweiten Zählerplatz.

Modul 3 lohnt sich, wenn Verbrauch gezielt in die günstigen Stunden verschoben werden kann. Bei der Netze BW gilt 2026 der Niedrigtarif von 10 bis 14 Uhr (3,61 Cent brutto), der Hochtarif von 17 bis 22 Uhr (13,16 Cent brutto), die übrige Zeit der Standardtarif. Wer mittags lädt und abends nicht, profitiert. Das setzt ein Energiemanagement voraus, das nach der Uhr steuert, etwa eine KNX-Logik, EVCC oder openWB. Andere Netzbetreiber haben andere Zeitfenster und Preise, maßgeblich ist immer das aktuelle Preisblatt.


Mehrere Geräte und KNX

Stehen Wallbox, Wärmepumpe und Speicher im selben Haus, gibt es zwei Wege. Bei der Direktansteuerung bekommt jedes Gerät seine eigene Vorgabe und behält je 4,2 kW. Beim Weg über ein Energiemanagementsystem gibt der Netzbetreiber einen Gesamtwert für alle Geräte vor, und das System verteilt ihn nach eigenen Regeln.

Beispiel mit drei Geräten über ein Energiemanagementsystem: 4,2 kW + 2 × 0,75 × 4,2 kW = 10,5 kW. Diese 10,5 kW stehen den drei steuerbaren Geräten bei einer Dimmung zusammen mindestens zur Verfügung, und das System entscheidet, welches Gerät wie viel davon bekommt. Für den übrigen Haushalt gilt die Vorgabe nicht.

KNX-Logik als Energiemanagement

Das Signal der Steuerbox kann auf einen KNX-Binäreingang oder über ein Gateway auf den Bus gehen. Eine Logik verteilt dann die freigegebene Leistung nach Priorität:

  1. Wärmepumpe, weil Heizung und Warmwasser Komfort und Frostschutz betreffen
  2. Speicher, der in dieser Zeit eher entladen als geladen wird
  3. Wallbox, weil sich ein Ladevorgang am leichtesten verschieben lässt

Damit hält die Anlage die Vorgabe ein und nutzt die freigegebene Leistung sinnvoll, statt alle Geräte gleichzeitig herunterzufahren. Mehr dazu im Beitrag KNX im Einfamilienhaus.

Was die Geräte mitbringen müssen

Viele aktuelle Wallboxen haben einen Freigabe- oder Steuereingang, eine Modbus-Schnittstelle oder EEBUS. Wärmepumpen haben seit Jahren einen SG-Ready-Eingang, für § 14a zählt aber, ob das Gerät eine Leistungsvorgabe tatsächlich umsetzen kann. Heimspeicher werden meist über das Energiemanagement des Wechselrichters eingebunden. Welche Schnittstelle ein Gerät hat, steht im Datenblatt. Das prüfen wir vor dem Kauf.


So läuft eine Installation nach § 14a ab

  1. Anmeldung beim Netzbetreiber mit Gerätedaten und Anschlussleistung, in der Region über das Installateurportal des jeweiligen Netzbetreibers.
  2. Wahl des Moduls zusammen mit dem Eigentümer, nach erwartetem Jahresverbrauch und Preisblatt.
  3. Zählerschrank vorbereiten nach TAB und VDE-AR-N 4100: Platz für Steuerbox und intelligentes Messsystem, bei Modul 2 ein eigener Zählerplatz für das Gerät.
  4. Gerät installieren und den Steuereingang an den vorbereiteten Steuerleitungsweg anschließen.
  5. Beauftragung des Messstellenbetreibers mit intelligentem Messsystem und Steuerbox. Das Gerät kann schon vor deren Einbau in Betrieb gehen.
  6. Inbetriebnahme. Sobald die Steuerbox sitzt, testen wir, dass die Drosselung nachweisbar funktioniert.

Schritt 4 ist die Stelle, an der schwache Installationen scheitern. Hat die Wallbox keinen Steuereingang oder ist er nicht angeschlossen, erfüllt die Anlage die Pflicht zur Steuerbarkeit nicht. Wir prüfen das vorher im Datenblatt und bauen keine Wallbox ohne passenden Eingang ein.


Was über § 14a erzählt wird, und was stimmt

„Mein E-Auto wird komplett abgeschaltet.“ Falsch. Die Mindestleistung von 4,2 kW bleibt. Eine Stunde Dimmung kostet bei einer 11-kW-Wallbox knapp 40 km Reichweite, nicht die ganze Ladung.

„Gedrosselt wird jeden Abend.“ Falsch. Der Netzbetreiber darf nur bei einer festgestellten Gefährdung seines Netzes eingreifen, nur im nötigen Umfang und nur so lange wie nötig. Die vorbeugende Steuerung in der Übergangszeit ist auf zwei Stunden am Tag begrenzt und endet spätestens mit dem 31.12.2028.

„Modul 1 ist immer besser.“ Hängt vom Verbrauch ab. Mit den Werten der Netze BW 2026 liegt der Gleichstand bei rund 2.700 kWh im Jahr. Darüber gewinnt meist Modul 2, darunter Modul 1.

„Meine alte Anlage muss umgerüstet werden.“ Nein. Anlagen ohne alte Vereinbarung fallen nicht unter die neue Regel. Anlagen mit alter Vereinbarung behalten sie bis Ende 2028. Ein freiwilliger Wechsel ist möglich, aber endgültig.

„Die Steuerbox bekomme ich vom Elektriker.“ Nein. Die Steuerbox gehört dem Messstellenbetreiber, der sie auch einbaut. Wir bereiten den Zählerplatz vor.

„Der Netzbetreiber kann meine Wärmepumpe ablehnen, weil das Netz voll ist.“ Nein. Genau das schließt § 14a aus: Der Anschluss darf nicht mit Verweis auf Netzengpässe abgelehnt oder verzögert werden. Die Gegenleistung ist die Steuerbarkeit.


Was wir für Sie tun

Wir planen und bauen Anschlüsse für steuerbare Verbrauchseinrichtungen seit Inkrafttreten der neuen Regel: Wallbox, Wärmepumpe, Speicher, einzeln oder zusammen. Wir melden beim Netzbetreiber an, rechnen die Modulwahl mit dem Preisblatt durch und bereiten den Zählerplatz vor. Wo mehrere Geräte im Haus sind, übernimmt oft eine KNX-Logik die Verteilung. Bei Fragen zur Modulwahl oder zur Auslegung: Kontakt oder 06202 9530190.


Quellen:


Verwandte Beiträge und Leistungen

Schlagwörter

  • EnWG 14a
  • Wallbox
  • Wärmepumpe
  • Energiewirtschaftsgesetz
  • Netzbetreiber
  • Steuerung
  • Steuerbox
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  • Modul 1
  • Modul 2
  • Modul 3
Tobias Dietrich Elektromeister

DIETRICH.expert GmbH, Meisterbetrieb in Ketsch. Die Firma ist aus der Dietrich Elektro-Service e.K. hervorgegangen und seit 2021 eine GmbH. Innungsfachbetrieb seit 2019, KNX-zertifiziert seit 2020.

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