SIEDLE Axiom Türsprechanlage mit dormakaba Zutrittsleser
Sicherheit

Zugangskontrolle und Türkommunikation — dormakaba und SIEDLE in der Praxis

dormakaba Matrix One, evolo smart und SIEDLE Access: Elektronische Zutrittskontrolle für Kanzleien, Praxen und Mittelstand. Produktübersicht und Integration.

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Tobias Dietrich
23. April 2026
10 Min.

Moderne Sicherheit braucht zwei Partner: Eine sichere Türsprechanlage, die Besucher kontrolliert, und ein intelligentes Zutrittssystem, das nur berechtigten Personen Zutritt gewährt. Die beiden Marktführer dormakaba und SIEDLE lösen diese Aufgabe mit reifen, integrierbaren Produkten — aber die Kombinationen richtig zu dimensionieren ist handwerklich anspruchsvoll.

Dieser Artikel skizziert die Produktfamilien, zeigt vier realistische Szenarien aus der Praxis und nennt die kritischen Integrationspunkte, die häufig übersehen werden.


Überblick: Wo dormakaba und SIEDLE angesiedelt sind

dormakaba konzentriert sich auf die elektronische Zutrittskontrolle — das Herzstück des Systems:

  • Mobile Access (Smartphone als Schlüssel)
  • Kartenbasierte Zutrittsreader
  • Zeitbasierte Zugangsregeln
  • Netzwerk-Management

SIEDLE ist Hersteller von Türsprechanlagen und Videokommunikation:

  • Sprechanlage mit Klingel
  • Video-Türstationen
  • Türöffner-Steuerung
  • Integration in Hausautomation (KNX, über Gateway)

Ein vollständiges System braucht beides: SIEDLE für die „Tür-Kommunikation” und dormakaba für die „Zutritts-Kontrolle”. Sie arbeiten technisch parallel, aber nicht direkt integriert — das ist wichtig zu verstehen.


dormakaba: Vom Einfamilienhaus bis zum Mittelstand

evolo smart — für Kleinstunternehmen und Wohnhäuser

Zielgruppe: Einfamilienhaus, kleine Werkstatt, Büro mit wenigen Türen und bis zu etwa 200 Nutzenden.

Kapazität und Betrieb:

  • Bis zu rund 200 Nutzende pro System (Smartphone, Karte oder Schlüsselanhänger)
  • Vollständig offline, ohne Internet und ohne Cloud
  • Programmierung über die dormakaba-App (iOS und Android), Administration per Programmierkarte

Komponenten:

  • Digitalzylinder zum direkten Austausch des mechanischen Zylinders, keine Verkabelung
  • c-lever pro für Außentüren mit höherer Sicherheitsklasse
  • c-lever compact für Innentüren, auch Glastüren
  • Kompakt- und Remoteleser

Funktionen:

  • Zeitprofile (Office-Mode) mit unterschiedlichen Freigaben je Tag
  • Zutritt per Smartphone nach App-Freigabe, per RFID-Karte oder Schlüsselanhänger
  • QR-Code zum Anlernen neuer Medien
  • Gesperrte Medien werden per App zentral widerrufen
  • Batterie-Warnung vorab in der App

Praktisches Beispiel: Ein Zahnarzt mit kleiner Nebenstelle — zwei Behandlungsräume plus Lager. evolo smart steuert alle Türen offline, das Team nutzt Smartphone oder Karte, die Verwaltung läuft direkt am Zylinder per App. Kein Server, keine Cloud.

evolo manager — PC-basierte Verwaltung für den Mittelstand

Zielgruppe: Betriebe mit mehr Türen, als eine reine smart-Installation sinnvoll verwaltet — typischerweise mehrere Dutzend Zylinder, mehrere Abteilungen, rollenbasierte Zutritte. Kleiner im Umfang als Matrix One, aber mit echter zentraler Software.

Kapazität und Betrieb:

  • Zentrale Verwaltung über PC-Software am Kundenstandort
  • Bis zu mehreren Dutzend Türen ohne komplexe Enterprise-Infrastruktur
  • Rechte werden per Programmer oder Online-Leser auf die Ausweise übertragen

Funktionen:

  • Zeitprofile und Wochenpläne pro Nutzer und Rolle
  • Protokollierung der Zutritte
  • Brücke zwischen rein standalone (evolo smart) und vollintegriertem System (Matrix One)

Praktisches Beispiel: Ein Ingenieurbüro mit rund 30 Mitarbeitenden, drei Bürobereichen, Lager. evolo manager verwaltet die Rechte zentral, bringt aber nicht die volle Infrastruktur-Komplexität von Matrix One mit. Bei weiterem Wachstum ist die Migration auf Matrix One vorgesehen.

Matrix One — die webbasierte Zutrittslösung für KMU und skalierbar darüber hinaus

Zielgruppe: Kleine und mittlere Unternehmen mit mehreren Türen, Besucherverkehr, Zeiterfassung oder Kopplung an eine Einbruchmeldeanlage. Matrix One gibt es in drei Varianten (S, E, O), die sich in Kapazität und Funktionsumfang unterscheiden.

Kapazität und Betrieb:

  • On-Premise webbasiert auf einem Rechner oder Server des Kunden — keine Cloud-Abhängigkeit, die Zutrittsdaten verlassen das Kundennetz nicht.
  • Browser-Oberfläche, keine Client-Installation auf den bedienenden Geräten.
  • Variante S: bis 100 Personen und bis 100 Türen, ideal für den Einstieg.
  • Variante E und O: skalierbar in den Millionenbereich bei Personen, unbegrenzt viele Türen, Kombi aus verdrahteten Lesern und dormakaba-Standalone-Komponenten.
  • Vier Verbindungsarten: Online (verdrahtet, Echtzeit), Wireless (Funk), Access on Card (Rechte auf dem Ausweis), Whitelist (Standalone).

Funktionen:

  • Besuchermanagement mit QR-Code-Voranmeldung und Parkplatz-Freigabe
  • Zeiterfassung und Schichtprofile
  • Schnittstelle zur Einbruchmeldeanlage (Scharf/Unscharf per Zutritt)
  • Alarmmonitor mit Lageplan und Kamera-Schnappschuss bei Öffnung
  • Mobile Access per Smartphone ergänzend zu Karte oder Ausweis
  • CSV- und API-Anbindung an HR- oder ERP-Systeme

Praktisches Beispiel: Eine Rechtsanwaltskanzlei mit zehn Anwälten und Sekretariat. Matrix One läuft auf einem Server in der Kanzlei selbst. Jede Rolle sieht nur ihren Bereich, das System protokolliert alle Zutritte revisionssicher, die Konfiguration passiert im Browser. Kein externer Zugriff auf die Zutrittsdaten.


SIEDLE: Türkommunikation und Zugang kombiniert

SIEDLE Axiom — der moderne All-in-One Standard

Was ist das? Moderne Innensprechstelle, die Türklingel, Handset und Touchscreen in einem Gerät kombiniert

Merkmale:

  • 7-Zoll-Touchscreen (Axiom Gateway A 180-10 W)
  • DECT-Funktion: Kabellose Handsets möglich
  • Anbindung an KNX-Visualisierungs-Server (Gira, JUNG, Home Assistant) über das SIEDLE Smart Gateway – ein nativer KNX-Bus-Anschluss der Axiom selbst ist nicht vorhanden
  • Bedien-Szenen über die KNX-Visu (Jalousie, Licht) – die KNX-Befehle gehen aus der Visu, nicht direkt aus Axiom
  • Video-Integration mit SIEDLE Video-Modul

Integration mit Zutritt: Axiom steuert selbst keinen elektronischen Türöffner. Es braucht eine separate Türöffner-Einheit. Die Kopplung zu einem dormakaba-Zutrittsmanager läuft in der Regel über die potentialfreien Relais am Zutrittsmanager (am 9290-K7 16 Relais, 18 digitale Eingänge) und in Kombination mit KNX über einen KNX-Schaltaktor – KNX und dormakaba haben keine native Software-Schnittstelle, beide treffen sich auf der Trockenkontakt-Ebene.

Typischer Ort: Wohnzimmer oder Flur, zentrale Stelle, wo alle Bewohner die Sprechanlage hören und Besucher freigeben können.

SIEDLE Classic Access — robustes Gewerbe-System

Was ist das? Separate Video-Türstation und Zutrittskontrolle für größere Objekte

Merkmale:

  • Modularer Aufbau (Türstation + Controller + Software)
  • KNX-Integration mit Gateway (ALKNX 270-0)
  • Feldbus-Anbindung (2-Draht, IP)
  • Unterstützung von bis zu 50+ Türstationen
  • Erweiterte Benutzer-Management-Funktionen

Szenario: Bürogebäude mit Haupteingang (Video-Türstation), mehreren Nebeneingängen, Lagerbereich. Zentrale Verwaltung von einer Seite mit Feldbus-Anbindung.

Typisch schlecht gelöst: KNX-Anbindung wird vergessen. Das System kann alleine stehen, aber die Synergien entstehen erst mit KNX-Integration (Beleuchtung, Heizung, Zugang koordinieren).

SIEDLE Access für größere Objekte

Was ist das? Eigenständige SIEDLE-Zutrittssoftware oder modulares Access-System, das Video-Türstationen, Zutrittssteuerung und Rollenrechte für Hotels, Büroparks und größere Wohnkomplexe bereitstellt. Für die Zutrittskontrolle kombinieren wir das in der Regel mit dormakaba Matrix One, weil dort die spezifische Zutritts-Hardware (Leser, Digitalzylinder, Wireless-Beschläge) verankert ist.

Merkmale:

  • Mehrere Video-Türstationen an verschiedenen Eingängen
  • Zentrale Administration, Video-Management
  • Echtzeit-Anzeige und Ereignis-Protokoll
  • Vorbereitet für DSGVO-konforme Aufbewahrung

Einsatz: Hotelbetrieb, großer Büropark, Wohnkomplex mit vielen Wohneinheiten. Für einen Fünf-Personen-Betrieb überdimensioniert, die Dimensionierung stimmen wir im Einzelfall ab.


Vier realistische Use-Cases aus der Praxis

Use-Case 1: Einfamilienhaus mit Garagentor + Video-Türklingel

Anforderung:

  • Hausbesitzer und Familienmitglieder sollen per Smartphone die Tür öffnen können
  • Besucher sehen und hören vor der Tür
  • Automatische Zeitregeln für Gäste, Handwerker, Paketzusteller

Lösung:

SIEDLE Axiom Gateway A 180-10 W  (7" Touchscreen, zentral im Haus)

dormakaba evolo smart             (Garage + Hauseingangstür)

SIEDLE Video-Türmodul             (außen, mit Kamera)

Integration:

  • SIEDLE Axiom zeigt ankommende Besucher an (Video vom SIEDLE-Modul)
  • Hausbesitzer bedient Türöffner per Axiom-Button oder dorma-App
  • evolo smart regelt zeitbasierte Zutritte (Nachbarskinder ab 15 Uhr, Reinigung Dienstag 9–11 Uhr)
  • Umfang: Axiom Gateway als zentrales Touchscreen-Panel, evolo-smart-Digitalzylinder an Garage und Haustür, professionelle Installation durch KNX-zertifizierten Elektromeister

Use-Case 2: Zahnarztpraxis oder Arztpraxis mit Teamzugang

Anforderung:

  • 3 Ärzte / Zahnärzte, 6 Assistent*innen
  • Patienten-Wartebereich sollte tagsüber offen sein, nur Behandlungsräume geschlossen
  • Nach-Stunden-Notruf möglich
  • Einfaches Benutzer-Management (kein IT-Team im Haus)

Lösung:

SIEDLE Axiom A 180-20 (Tischausführung, Behandlungszimmer)

dormakaba evolo manager            (Zentralverwaltung für Ärzte + Assistent*innen)

dormakaba RFID-Leser an Türen      (Behandlungs-, Labor- und Medikamentenraum)

Integration:

  • evolo manager verwaltet Benutzer zentral — wer hat Zugang zu welcher Zone
  • Zeitregeln: Behandlungsraum nur während Sprechzeiten (8–18 Uhr) freigegeben
  • Assistent*innen bekommen RFID-Karte, Ärzte zusätzlich Smartphone-Zugang
  • Log-Funktion: Wer war wann im Medikamentenschrank (für Compliance)

Praktisches Detail: Das „Nach-Stunden-Notfall”-Szenario: Ein Zahnarzt kommt nachts zum Notruf — die Tür ist abgeriegelt. Mit evolo manager kann zeitlich eine bestimmte Karte (z.B. „Notfall-Ärzte”) immer Zugang haben, auch um 2 Uhr nachts.

Umfang: SIEDLE Axiom als Tischausführung (Behandlungszimmer), evolo manager als zentrale Verwaltung mit Audit-Log, RFID-Reader an Behandlungs-, Labor- und Medikamentenraum, Zeitregeln für Sprechzeiten, RFID-Karte für Assistenten, Smartphone-App für Ärzte, Installation und Inbetriebnahme durch Fachbetrieb.


Use-Case 3: Mittelstand-Bürogebäude mit 40 Mitarbeitern, mehrere Etagen

Anforderung:

  • Haupteingang mit Video-Türstation (Besucherempfang)
  • Jede Etage: Separate Eingangstür (Konstruktion, Vertrieb, Verwaltung)
  • Lagerbereich: Nur für Logistik-Personal freigegeben
  • Konferenzräume: Flexible Buchung, Gäste nur in der Buchungszeit
  • Nachts: Sicherheitsleute haben Zutritt überall

Lösung:

SIEDLE Access Gewerbesystem         (zentrale Verwaltung, Video am Haupteingang)
  ├─ Video-Türstation am Haupteingang
  ├─ weitere SIEDLE-Türstationen je Etage
dormakaba Matrix One (Variante E)   (on-premise, Integration über Relais oder KNX)
  ├─ Online-Leser an Etagen-Eingängen
  ├─ Zutritt zum Lager per gesonderter Berechtigung
  └─ Konferenzraum-Zutritt nach Buchungssystem

Integration:

  • Besucher kommt an, die SIEDLE-Station zeigt das Video, der Empfang öffnet die Tür. Das Türöffner-Signal wird über einen Schaltaktor (KNX oder konventionell) auf einen digitalen Eingang des dormakaba-Zutrittsmanagers gelegt – beide Welten reden auf Trockenkontakt-Ebene, nicht über eine gemeinsame Software-Schnittstelle.
  • Matrix One verwaltet rollenbasierte Zutritte: Konstruktion nur Konstruktions-Etage, Lager nur mit gesonderter Berechtigung.
  • Nachts haben Sicherheitsmitarbeitende per Rolle Zugang zu allen Zonen.
  • Der Audit-Log dokumentiert, wer wann wo war, und ist für interne Audits exportierbar.

Kritischer Punkt: Was technisch zusammenarbeitet und was nicht. KNX und dormakaba haben keine native Software-Schnittstelle – die Kopplung läuft über die Relais und digitalen Eingänge am Zutrittsmanager. SIEDLE bietet für die Access-Professional-Welt eine eigene KNX-Lizenz (ALKNX 270-0), die KNX-Telegramme aus dem Access-Server senden und empfangen kann; für den klassischen In-Home-Bus geht KNX-Kopplung über ein SIEDLE Smart Gateway in Verbindung mit einer KNX-Visu. Das Marketing-Bild „alles ein Bus” stimmt nicht – es sind drei Welten, die wir sauber an den definierten Punkten verbinden.

Umfang: SIEDLE Access-System mit Video-Türstation am Haupteingang und Türstationen pro Etage, dormakaba Matrix One E für rollenbasierte Zutritte, revisionssicheres Audit-Log, PoE-Netzwerkinfrastruktur, KNX-Integration mit Beleuchtung und Heizung, Projektmanagement und Inbetriebnahme durch KNX-zertifizierten Fachbetrieb.


Use-Case 4: Produktionsbetrieb mit Fabrikation + Büro + Parkplatz-Schranke

Anforderung:

  • Verschiedene Arbeitsbereiche (Fabrik, Lagerhalle, Büro) mit unterschiedlichen Zugriffen
  • Besucherkennzeichen-System (Fahrzeuge identifizieren)
  • Zeitbasierte Zugangsfreigabe (Schicht 1 = 6–14 Uhr, Schicht 2 = 14–22 Uhr)
  • Integration mit Zeiterfassungssystem
  • Video-Monitoring an kritischen Zugängen

Lösung:

SIEDLE Access mit mehreren Türstationen
  ├─ Video-Türstationen an Fabrik-Eingang, Lagerhaus-Eingang, Büro-Eingang
  └─ Kameraintegration
dormakaba Matrix One (Variante E oder O, on-premise)
  ├─ RFID-Reader pro Eingang
  ├─ Zeiterfassungs-Kopplung je Schicht
  ├─ Schichtbasierte Zutrittsprofile
  └─ Kennzeichen-Erkennung über separate Kamera-Integration

Integration:

  • Mitarbeitende mit RFID-Karte betreten die Fabrik. Matrix One prüft die Schichtplan-Zugehörigkeit, die Tür öffnet nur im gültigen Zeitfenster.
  • Die Zeiterfassung loggt die Ankunftszeit parallel.
  • Die Video-Türstation an den Eingängen dient der Kontrolle externer Besucher und Lieferanten.
  • Fahrzeug-Freigabe über Kennzeichenerkennung: bekannte Mitarbeiter-Kennzeichen öffnen die Schranke automatisch, Besucher-Kennzeichen werden manuell freigegeben.

Typisches Integrationsproblem: Die Schnittstelle zwischen Zeiterfassungssystem und Matrix One ist oft nicht dokumentiert. Das muss vorab geklärt sein, mit API-Beschreibung und einer Test-Phase.

Umfang: SIEDLE Access mit Video-Türstationen an Fabrik-, Lagerhaus- und Büro-Eingang, dormakaba Matrix One (Variante E oder O, je nach Personen- und Türzahl) mit RFID-Readern pro Eingang, Zeiterfassungs-Kopplung mit schichtbasierten Zutritten, Kennzeichen-Erkennung für Fahrzeug-Freigabe, Video-Aufzeichnung an kritischen Zugängen, Schulung für Facility-Management und Werkschutz.


Kritische Integrationspunkte (oft übersehen)

1. KNX vs. Relais vs. IP-direkt

SIEDLE und dormakaba können auf drei Wegen kommunizieren:

  • KNX-Bus: Sauber, aber erfordert KNX-Infrastruktur im Haus
  • Relais-Schnittstelle: Einfach, aber unkomplexe (nur An/Aus-Signale)
  • IP direkt: Modern, aber erfordert sichere Netzwerk-Architektur

Problem: Wenn beides ein IP-System sein soll, muss geklärt sein: Sind die IP-Netze identisch oder getrennt (VLAN)? Getrennte Netze sind sicherer, erfordern aber einen zusätzlichen Switch oder Controller.

2. DSGVO und Audit-Logs

Video-Türsprechanlagen (SIEDLE) und Zutrittssysteme (dormakaba) erfassen Bilder und Zugriffsdaten. Das ist personenbezogene Information im Sinne der DSGVO.

Wichtig:

  • Klare Aufbewahrungsfristen (z.B. 7 Tage Video, unbegrenzt Zutritts-Log)
  • Verschlüsselte Übertragung (TLS)
  • Datenschutz-Erklärung für Mitarbeiter und Besucher
  • Regelmäßige Audits (wer darf auf Video/Logs zugreifen)

Häufiger Fehler: Unverschlüsselte Video-Übertragung im Netzwerk → Datenschutz-Verstoß

3. Netzwerk-Planung

Beide Systeme brauchen Netzwerk:

  • SIEDLE (Video, besonders Axiom): 1–5 Mbps pro Station
  • dormakaba (Leser, Web-Management): 0,5–2 Mbps

Problem: Alte Elektroinstallationen haben oft kein Cat.6 oder besseres Kabel bis zu allen Türen. Das ist ein teurer Nachtrag.

Faustregel: Plant die Netzwerk-Infrastruktur VOR der Geräte-Installation ein. PoE (Power over Ethernet) für viele Reader spart Stromkabel.

4. Türöffner-Steuerung und Redundanz

Der Türöffner ist das sicherheitskritische Element. Was passiert, wenn:

  • Der Strom ausfällt?
  • Das Netzwerk ausfällt?
  • Die Server-Software crasht?

Saubere Lösung:

  • Elektronische Riegel mit Notöffner (Schlüssel)
  • UPS-Pufferung für mindestens 4 Stunden
  • Lokale Offline-Funktionalität in den Lesern (z.B. evolo smart offline mode)
  • Fallback-Relais: Im Fehlerfall öffnet sich die Tür (oder bleibt zu — je nach Sicherheitsanforderung)

Häufige Fehler bei der Integration

FehlerGrundLösung
Netzwerk-Kabel zu kurz geplantLeser sind zu weit vom Switch wegPoE Injectors oder zusätzliche Switches mit PoE verteilen
SIEDLE und dormakaba nicht verbundenRelais-Schnittstelle übersehenExterne Relais-Platine einbauen oder KNX-Gateway nutzen
Video-Speicher überläuftKeine Aufbewahrungsrichtlinie definiertAutomatische Löschung nach 7 Tagen, lokale SSD mit genug Platz
Zugriffs-Logs nicht gepflegtKeine Export-RoutineWöchentliche automatisierte Exports ins Archiv
Offline-Modus nicht getestetSystemausfall wird erst erkannt, wenn es zu spät istHalbjährliche Funktionstests durchführen (Internet trennen, checken, ob Zugang noch funktioniert)
Zu viele Rollen und RegelnManagement wird zu komplexKlare Rollen-Matrix anlegen (Gruppe = Zugriffsberechtigungen, nicht individueller Benutzer)
Besucherverwaltung fehlendExterne Gäste blockieren das SystemDynamische Besucherkarten mit Ablaufdatum + Audit

Fazit

dormakaba und SIEDLE teilen sich zwei unterschiedliche Aufgaben: SIEDLE kontrolliert, wer an der Tür ist, dormakaba entscheidet, wer hinein darf. Für das Einfamilienhaus ist die Kombination evolo smart mit einer SIEDLE-Innensprechstelle ein bewährter Standard. Im Mittelstand liegt Matrix One in der Variante S oder E zusammen mit einem SIEDLE-Access-System im sinnvollen Bereich. Für größere Betriebe skaliert Matrix One in den Varianten E und O bis in den Millionen-Personen-Bereich.

Die Kopplung der drei Welten – KNX, dormakaba, SIEDLE – läuft über klar definierte Punkte: Relais und digitale Eingänge am Zutrittsmanager als universelle Trockenkontakt-Schnittstelle, SIEDLE Smart Gateway als Brücke zur KNX-Visu und das SIEDLE Access KNX-Gateway (ALKNX 270-0) für die Access-Professional-Linie. Eine direkte Software-Integration „dormakaba spricht KNX” gibt es nicht – wer das verspricht, kennt die Systeme nicht.

Für Fragen zur Planung oder zu bestehenden SIEDLE/dormakaba-Installationen — gerne beraten wir Sie in Ketsch. Sicherheit und Komfort gehören zusammen.


Quellen dieser Recherche:


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Zugangskontrolle Türkommunikation dormakaba SIEDLE Sicherheit Elektroinstallation KNX
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