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Professionelle Messgeräte für E-CHECK und DGUV V3 Prüfungen
Prüfung & Sicherheit

E-CHECK und DGUV V3: Prüfpflicht, Intervalle, Protokoll

DGUV V3 für Gewerbe, E-CHECK für Privat: Normen, Intervalle nach Anlagentyp, Messumfang, Mängelklassen A/B/C, Prüfprotokoll - rechtssicher dokumentiert.

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Tobias Dietrich
16. Juli 2025
10 Min.

Wenn ein Versicherer im Schadensfall fragt, was zuletzt am elektrischen Bestand geprüft wurde, ist die richtige Antwort nicht „die Anlage läuft doch”. Die richtige Antwort ist ein Prüfprotokoll mit Datum, Messwerten und Unterschrift einer Elektrofachkraft. Wer das nicht vorzeigen kann, trägt die Beweislast - und in der Praxis heißt das, dass der Schaden gerne mal beim Eigentümer hängen bleibt.

Zwei Begriffe geistern dabei durch jede Diskussion und werden routiniert verwechselt: DGUV V3 und E-CHECK. DGUV V3 (früher BGV A3) ist die berufsgenossenschaftliche Unfallverhütungsvorschrift - sie ist im Gewerbe Pflicht, ohne Wenn und Aber. E-CHECK ist die freiwillige Prüfungs-Marke der Innung für den privaten Bereich und für Gewerbe, die mehr als die Mindestpflicht dokumentieren wollen. Beide Prüfungen folgen denselben Normen, beide enden mit Protokoll und Plakette - aber rechtlich sind es zwei Paar Schuhe.

Dieser Artikel klärt, wer wann was prüfen muss, welche Intervalle die DGUV TRBS 1201 für welche Anlage vorsieht, und was im Protokoll stehen muss, damit es im Audit oder vor Gericht trägt.


DGUV V3 und E-CHECK - zwei Welten, eine Normbasis

MerkmalDGUV V3 (Gewerbe)E-CHECK (Privat & Gewerbe)
RechtsgrundlageDGUV Vorschrift 3 (früher BGV A3), BetrSichV, TRBS 1201Freiwillig, Innungs-Standard nach VDE
Pflichtja, für alle Arbeitsmittel und Anlagen am Arbeitsplatznein - Empfehlung, Versicherungs-Vorteil
VerantwortlichArbeitgeber bzw. UnternehmerEigentümer
Intervallenach Gefährdungsbeurteilung, TRBS 1201 als Richtwertempfohlen alle 4 Jahre bei Wohngebäuden
Nachweis im SchadensfallPflichtdokumentation, ohne Protokoll Bußgeld möglichstarkes Argument gegenüber Sachversicherer
Plakettemit nächstem Prüfterminmit nächstem Prüftermin und E-CHECK-Logo

Beide Prüfungen werden technisch nach denselben VDE-Normen ausgeführt - die DGUV V3 nimmt die VDE-Normen über die TRBS 1201 in Bezug. Wer einen E-CHECK fachgerecht durchführen lässt, hat damit faktisch eine DGUV-V3-konforme Prüfung in der Hand. Was sich unterscheidet, ist der rechtliche Charakter: DGUV V3 ist Pflicht im Arbeitsschutz, E-CHECK ist freiwillig.


Welche Norm regelt welche Prüfung?

Eine Anlage besteht nie nur aus einem Typ Bauteil. Verteilung, Steckdosen, Verlängerungskabel, Bohrmaschine, medizinisches Gerät - jedes Teil hat seine eigene Prüfvorschrift. Die wichtigsten Normen im Überblick:

NormAnwendungsbereichWas geprüft wird
DIN VDE 0100-600Erstprüfung ortsfester AnlagenInbetriebnahme nach Neubau, Erweiterung, Änderung
DIN VDE 0105-100Wiederholungsprüfung ortsfester AnlagenVerteilung, Steckdosen, Festanschlüsse im Betrieb
DIN VDE 0701-0702Ortsveränderliche GeräteVerlängerungen, Werkzeuge, Bürogeräte, Küchengeräte
DIN VDE 0751-1Medizinische elektrische GerätePraxen, Krankenhäuser, Zahnarztstühle, OP-Lampen
DIN VDE 0113 / 60204-1MaschinensicherheitWerkzeugmaschinen, Produktionsanlagen
DIN VDE 0544-4Schweißgeräte und ZubehörWerkstatt, Bau, Industrie
DGUV V3 / TRBS 1201Übergeordnete Prüfvorschrift Arbeitsschutzverweist auf VDE-Normen, regelt Verantwortung

Wichtig: VDE 0701-0702 wurde 2023 abgelöst durch DIN VDE 0701 und DIN VDE 0702 getrennt - 0701 für Instandsetzung und Änderung, 0702 für Wiederholungsprüfung. In der Praxis spricht man weiter von „0701-0702-Prüfung”. Wir bauen die neue Normfassung als Standardgrundlage in unseren Protokollen ab.


Prüfintervalle: was wann fällig ist

Die DGUV V3 selbst gibt keine starren Intervalle vor - sie verweist auf die Gefährdungsbeurteilung nach Betriebssicherheitsverordnung. Die TRBS 1201 nennt aber Richtwerte, die in der Praxis als Default gelten und von Berufsgenossenschaften erwartet werden:

Anlage / GerätUmgebungRichtwert TRBS 1201
Ortsfeste Anlagen (Verteilung, Festanschlüsse)Büro, Verwaltung, Praxis4 Jahre
Ortsfeste Anlagen (Verteilung, Festanschlüsse)Fertigung, Werkstatt1 Jahr
RCD/FI-Schutzschalterüberall, manuelle Funktionsprüfung6 Monate (Nutzer)
RCD/FI-Schutzschalterüberall, Auslösestrom-/Zeitmessung4 Jahre (Fachkraft)
Ortsveränderliche GeräteBüro, Verwaltung24 Monate
Ortsveränderliche GeräteWerkstatt, Labor12 Monate
Ortsveränderliche GeräteBaustelle, raue Umgebung3 Monate
Verlängerungs- und AnschlussleitungenBaustelle3 Monate
Medizinische GeräteArztpraxis, Zahnarzt, Klinikje nach MPBetreibV (oft 12-24 Monate)
Maschinen (VDE 0113)Industrienach Risikobeurteilung, oft 12 Monate
Notbeleuchtung (DIN EN 50172)Versammlungsstätten, Verkaufmonatliche Funktionsprüfung, jährliche Dauerprüfung
Brandmeldeanlagen (DIN 14675)öffentliche Gebäudevierteljährliche und jährliche Prüfung

Die Werkstatt-Bohrmaschine, die täglich auf den Boden fällt, gehört alle 3 Monate auf den Prüftisch. Der Büro-Drucker, der seit drei Jahren auf demselben Schreibtisch steht, alle 24 Monate. Wer das nicht differenziert, verschenkt Geld oder geht Risiko - beides vermeidbar.


Was wird konkret gemessen?

Eine fachgerechte Prüfung ist mehr als Sichtkontrolle und FI-Knopf drücken. Sie hat einen festen Messumfang:

Ortsfeste Anlagen (VDE 0100-600 / 0105-100)

  • Schleifenimpedanz Z_S - prüft, ob im Kurzschlussfall der Sicherungs-Schnellauslösestrom sicher erreicht wird
  • Netzinnenwiderstand R_I - Spannungsstabilität am Einspeisepunkt
  • Isolationswiderstand R_ISO - gegen Erde mindestens 1 MΩ bei 500 V DC, gegen N analog
  • Schutzleiterwiderstand R_PE - vom Anschluss bis zum entferntesten Verbraucher
  • RCD-Auslösestrom I_ΔN - real gemessen, nicht Datenblatt-glauben
  • RCD-Auslösezeit t_a - bei I_ΔN, bei 5×I_ΔN für AC-Typ, plus Halbwellen-Prüfung für Typ A
  • Drehfeld-Richtung bei Drehstromsteckdosen und CEE-Verteilern
  • Spannung gegen N und PE an jedem Endkreis

Ortsveränderliche Geräte (VDE 0701 / 0702)

  • Sichtprüfung Gehäuse, Zuleitung, Stecker, Knickschutz, Schalter
  • Schutzleiterwiderstand an jedem berührbaren Metallteil
  • Isolationswiderstand je nach Schutzklasse
  • Ersatzableitstrom oder Schutzleiterstrom (Differenzstrommessung)
  • Funktionstest unter Last
  • Beschriftung Typenschild lesbar, CE-Kennzeichnung vorhanden

Messen mit kalibrierten Geräten ist Pflicht. Wir nutzen Gossen Metrawatt, Benning und Beha-Amprobe Geräte mit gültigem Kalibrierschein (DAkkS oder Werkskalibrierung, üblich 12-Monats-Zyklus). Ohne Kalibrierschein ist das Protokoll im Streitfall angreifbar.


Mängelklassen A, B, C - was die Ampel bedeutet

Jeder Mangel wird in eine Klasse einsortiert. Das ist keine Empfehlung, sondern Pflicht der Norm und wesentlich für die Frage „muss ich sofort handeln?”:

KlasseBedeutungHandlungsfrist
A - gefährlichunmittelbare Gefahr für Personen oder Anlagesofort außer Betrieb nehmen, vor Wiederinbetriebnahme reparieren
B - erheblichSicherheitsmangel ohne akute GefahrFrist nach Vereinbarung, üblich 4-8 Wochen
C - geringfügigSchönheitsfehler, Kennzeichnungslücke, optischbei nächster Gelegenheit, spätestens vor Folgeprüfung

A-Mängel sind nicht verhandelbar. Eine defekte Steckdose mit zugänglichen spannungsführenden Teilen, ein FI ohne Auslösung, ein freiliegender PE-Bruch - das Gerät oder der Stromkreis kommt aus dem Betrieb. Wer in seinem Betrieb einen A-Mangel ignoriert, riskiert bei einem Unfall den Vorwurf der grob fahrlässigen Verletzung der Aufsichtspflicht. Im Klartext: persönliche Haftung der Geschäftsleitung.


Wer darf prüfen?

Nicht jeder, der einen Schraubendreher halten kann, darf eine DGUV-V3-Prüfung machen. Die Berufsgenossenschaft fordert eine Elektrofachkraft nach DIN VDE 1000-10. Für die reine ortsveränderliche Prüfung reicht in vielen Fällen auch eine Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) - das ist eine Person, die durch innerbetriebliche Unterweisung und schriftliche Bestellung für genau diese Prüfaufgabe qualifiziert wurde.

QualifikationWas geprüft werden darf
Elektrofachkraft (EFK) mit Meister-/Techniker-/Ingenieurabschlussalles - ortsfest, ortsveränderlich, Maschinen, Medizin
EFKffTnur exakt die Tätigkeit, für die sie bestellt wurde (oft 0701-0702)
Elektrotechnisch unterwiesene Person (EuP)keine eigenständige Prüfung - nur unter Aufsicht der EFK
Laiekeine Prüfung - nur Sichtprüfung im Rahmen der Nutzerpflicht

Wir sind als Innungs-Elektromeisterbetrieb eingetragen und führen DGUV-V3-Prüfungen mit fachlich geprüftem Personal und kalibrierten Messgeräten durch. Für größere Bestände planen wir Sammeltermine mit barcode-basierter Geräteliste - das halbiert die Prüfzeit gegenüber Papier-Listen und gibt einen sauberen digitalen Audit-Stand.


Prüfprotokoll: was drinstehen muss

Ein Protokoll, das einen Audit oder einen Versicherungsstreit überstehen soll, hat einen festen Inhalt:

  • Anlagen- bzw. Geräte-Identifikation mit Standort, Typenschild, Inventar-Nummer
  • Prüfgrundlage (welche VDE-Norm in welcher Fassung)
  • Prüfumfang (Sicht, Messung, Funktion)
  • Messwerte je Messung, mit Soll- und Istwert
  • Verwendetes Messgerät mit Typ und Kalibrierschein-Nummer
  • Umgebungsbedingungen (Temperatur, Feuchte falls relevant)
  • Mängel mit Klasse A/B/C und Empfehlung
  • Datum, Prüfer, Unterschrift
  • Nächster Prüftermin

Bei größeren Beständen liefern wir das Protokoll als PDF mit angehängter Mängel-Liste in Excel oder CSV - für den Hausverwalter oder den HSE-Beauftragten verarbeitbar. Auf den Geräten und Verteilungen kleben Prüfplaketten mit nächstem Termin und QR-Code, der auf das digitale Protokoll verlinkt.


Häufige Fehler - was wir oft sehen

Zu seltene Intervalle. Der Klassiker: „Wir haben doch vor 6 Jahren geprüft.” Bei ortsveränderlichen Geräten im Bürobetrieb sind das drei verpasste Prüfzyklen. Bei Werkstattgeräten 24 verpasste Zyklen. Im Schadensfall ist die Frage „warum nicht geprüft” schwerer zu beantworten als „warum schon wieder geprüft”.

Kein Protokoll, nur Plakette. Eine Plakette am Gerät ohne hinterlegtes Protokoll ist wertlos. Die Plakette zeigt, dass jemand etwas getan hat - das Protokoll zeigt, was. Bei einer Begehung will der Prüfer Beides sehen.

Falsche Klasse für die Umgebung. Eine Bohrmaschine im 24-Monats-Büro-Zyklus zu prüfen, wenn sie auf der Baustelle eingesetzt wird, ist formal eine DGUV-Pflichtverletzung. Klassifizierung gehört in die Gefährdungsbeurteilung - die wird leider oft nie geschrieben.

Selbst-Prüfung ohne Qualifikation. Hausmeister, die FI-Tests machen, sind nicht das Problem - die Funktionsprüfung mit dem Taster ist Nutzerpflicht. Das Problem fängt an, wenn der Hausmeister mit dem Schraubenzieher in den Verteiler greift oder ortsveränderliche Geräte ohne EFKffT-Bestellung prüft. Im Schadensfall haftet der Unternehmer für die fehlende Qualifikation.

Geräte ohne Kalibrierschein. „Mein Tester zeigt schon richtig an” - mag sein. Im Streitfall trägt das nicht. die Messgeräte müssen jährlich kalibriert sein, der Schein liegt im Prüfordner.


E-CHECK für Privat: lohnt sich das?

Für Privathaushalte gibt es keine gesetzliche Prüfpflicht - eine alte Anlage in einem Einfamilienhaus muss niemand prüfen lassen. Trotzdem hat der E-CHECK drei harte Argumente:

  • Versicherungsschutz. Im Brandfall fragen Hausrat- und Wohngebäudeversicherer nach dem Anlagenzustand. Ein aktueller E-CHECK ist hier ein Plus-Argument, in seltenen Fällen sogar Voraussetzung für bestimmte Tarife.
  • Sanierungs-Roadmap. Eine alte Verteilung ohne FI, 4×1,5 mm² für die Küche und ein Sicherungskasten aus den 70ern - das erkennt der E-CHECK und schreibt eine Mängelliste mit Priorität. Sanierung wird planbar.
  • Käufer-Argument beim Immobilien-Verkauf. Ein E-CHECK-Protokoll im Verkaufsexposé ist ein starkes Signal für saubere Bausubstanz.

Empfohlener Intervall im Wohngebäude: alle 4 Jahre. Bei Verkauf, Vermietung, größerem Umbau oder nach Schäden zwischendurch. Die Innungs-Empfehlung „alle 4 Jahre für Wohngebäude” deckt sich praktisch mit der TRBS-1201-Richtlinie für Büro - das ist nicht zufällig.


Wo Prüfung auf andere Themen trifft

Wer DGUV V3 ernst nimmt, kommt schnell an angrenzende Themen, die im Audit auch geprüft werden:

  • Brandschutz und Brandabschottung. Ein offenes Schott in einer Verteilungsdurchführung fällt bei der DGUV-V3-Begehung auf. MLAR-konforme Brandschotts sind Teil einer ordentlichen Anlage.
  • Notbeleuchtung. Sicherheitsbeleuchtung in Verkauf, Versammlungsstätte und Praxis hat eigene Prüfintervalle nach DIN EN 50172 - monatlicher Funktionstest, jährliche Dauerprüfung.
  • Maschinensicherheit. Werkstattmaschinen unterliegen zusätzlich der Betriebssicherheitsverordnung und der Maschinenrichtlinie. Die elektrische Prüfung ist nur ein Baustein.
  • Sicherheitstechnik. Alarmanlagen nach DIN VDE 0833 und Brandmeldeanlagen nach DIN 14675 haben eigene Inspektionspflichten - getrennt von DGUV V3, aber im selben Audit-Termin sinnvoll abzuarbeiten.

Fazit

DGUV V3 ist Pflicht im Gewerbe, E-CHECK ist die kluge Wahl im Privaten - beide arbeiten mit denselben VDE-Normen und enden mit einem Protokoll, das im Ernstfall trägt. Der Unterschied liegt in Verantwortung und Rechtsfolgen, nicht in der Messmethodik.

Wer Intervalle pro Anlagentyp differenziert, kalibrierte Messgeräte einsetzt und Mängel sauber in A/B/C klassifiziert, baut sich einen Prüfstand auf, der vor Berufsgenossenschaft, Versicherer und Gericht trägt. Wer „das wird schon” macht, baut auf Glück. Glück ist kein Geschäftsmodell.

Wir prüfen ortsfeste Anlagen, ortsveränderliche Geräte, RCD-Schutzschalter und medizinische Geräte - mit digitaler Protokollführung, QR-Plaketten und Audit-fertigem Export. Mehr unter Technische Ausstattung und Service oder direkt im Kontakt.


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Tobias Dietrich

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